lernblockaden

Denkblockade, Schreibblockade, Sprechblockade in einer mündlichen Prüfung. Das habe ich schon selbst erlebt. Was baut solche Blockierungen auf?

 

Schreibblockade - Denkblockade - Sprechblockade

und das in einer Prüfung - grauenvoller Gedanke.

 

Vor vielen Jahren sass ich in einer mündlichen Prüfung mit einer anderen jungen Frau, die ebenfalls geprüft wurde. Uns gegenüber saßen fünf Prüfer. Eigentlich wäre Sie zuerst dran gewesen - war aber so blockiert, dass sie nicht einmal mehr wusste, wie ihr Name war...

 

Das ist kein Scherz und kein Märchen. Das habe ich selbst so erlebt. Deshalb weiss ich, wie stark Blockierungen sein können und auf welche Weise sie sich zeigen.

 

Die Prüfer haben zum Glück verstanden, was gerade mit ihr los war, haben verständnisvoll reagiert und ihr Zeit gegeben. Nachdem ihr System den angestauten Stress einigermassen im Griff hatte, konnte sie wieder klar denken und die meisten Fragen beantworten. Sie ging mit einem guten Ergebnis nach Hause...

 

das baut mauern

Woher kommen solche Blockierungen? Vielleicht kennen Sie genau solche Phänomene auch?

 

Wie Klett und Teflon

 

Schlechte Erfahrungen, die wir einmal machen mussten halten sich stärker in unserem Gehirn fest, als positive Erfahrungen das je tun könnten. Haben wir einmal in unserem Lern-Leben Prüfungen, Mathearbeiten usw. mit etwas Schlechtem verknüpft, hat unser Gehirn die Besonderheit, diese Trigger nur ungern zu vergessen. Sie sind sozusagen fest in unserem Gehirn abgespeichert - klammern sich wie ein Klettverschluss im Gehirn fest. 

 

Vor jeder anstehenden Mathe-Arbeit vor jeder noch so kleinen Prüfung in unserem Leben werden wir dann immer gleich reagieren, weil das gleich schlechte Signal genau das triggert, wovor wir uns fürchten.

 

Dinge, die wir positiv erleben und die wir eigentlich im Gehirn ganz schnell aufnehmen sollten, weil sie schlechte Erfahrungen damit verdrängen könnten, bekommen leider oft von uns nicht den Raum und die Aufmerksamkeit, die sie bräuchten, damit sie in unser Gedächtnis Eingang finden. Sie gleiten an unserem Gedächtnis vorbei wie das Spiegelei aus einer Teflonpfanne. 

 

Mensch, sei doch mal etwas positiver!!

 

So tragen wir selbst dazu bei, dass schlechte Erfahrungen über Jahre die Oberhand in unserem System gewinnen und wir uns oftmals vergeblich bemühen, der Aufforderung von Mitmenschen nachzukommen: "Jetzt sei doch mal ein bischen positiv". 

Das bringt in der Regel das gleiche Ergebnis, wie wenn ich zu einem depressiven Menschen sage: "nun sei doch einfach mal ein bischen fröhlich".  Nämlich absolut nichts! 

 

Wer sich heute gestresst,

angespannt, einsam oder

verletzt fühlt, der ist

morgen umso empfänglicher

dafür, sich gestresst,

angespannt usw.

zu fühlen, vom übernächsten

Tag ganz zu schweigen...

 

Das Negative potenziert sich

und setzt einen Teufelskreis in Gang.


alarm,alarm

Welche Rolle spielt Angst in Ihrem Leben?

Je ängstlicher wir sind, desto kleinere Träume

träumen wir.

 

Wir klammern uns gewissermassen an uns selbst,

weil wir die Welt da draussen fürchten.

 

Dr. Rick Hanson

Angehäufte negative Trigger können unter Anderem bei Lernenden kognitive und psychische Leistungseinschränkungen hervorrufen, weil negativ erlebte Momente die Positiven in 3 x stärkerem Masse entwerten als umgekehrt.

 

Psychische Reaktionen

Angst, innere Unruhe, Leere, Lustlosigkeit bis zur Verzweiflung, Gereiztheit, Resignation und Aufgabe.

 

Kognitive Veränderungen

Konzentrationsstörungen, Selbstzweifel, Leistungsverlust

 

Hinzu kommt, dass die mandelgrosse Amygdala im Gehirn auf jedes hinzukommende negative Erlebnis stärker reagiert als zuvor.

 

Das alles wurde vor Jahrmillionen in uns angelegt und hatte für unsere urzeitlichen Vorfahren auch einen guten Grund. Es ging allein um das eigene Überleben. 

 

Eine gemachte Erfahrung, die man überlebte, zum Beispiel der Angriff eines Säbelzahntigers, wurde im Gehirn unter "schlimme Erfahrung abgelegt. Kam später noch einmal die gleiche Situation, konnte unser Ur-Vorfahre noch schneller als zuvor darauf reagieren und alles im Gehirn in Sekundenbruchteilen aktivieren, was es brauchte, um vor dem Angreifer zu flüchten.

 

Um eine Flucht im Gehirn einzuleiten sendet die Amygdala ein "Alarm, Alarm" an den Hypothalamus und an sämtliche Kontrollstellen des sympathischen Nervensystems. Der Hypothalamus fordert daraufhin Adrenalin, Cortisol, Noradrenalin und andere Stresshormone ab. 


tief durchatmen

Die Stress-Atmung hilft

so geht´s:

 

1. Auf 8 zählen und dabei durch die Nase in den Bauch einatmen. Der Bauch wölbt sich dabei nach aussen.

>> Sie können die Hände auf den Bauch legen und die Atmung mitverfolgen.

Wichtig: Nicht die Schultern hochziehen.

 

2. Den Atem kurz, vielleicht 2 Sek., anhalten

 

3. dann auf 8 durch den Mund ausatmen, dabei den Bauch wieder einziehen. Die Lippen dabei eher zusammen lassen und pustend ausatmen.  

 

4. Insgesamt diese Atmung 8 mal machen.

 

Bei dieser Art der Atmung müssen Sie sich voll auf das atmen konzentrieren. Das menschliche Gehirn kann sich aber nur auf eine Sache konzentrieren:

 

Entscheiden Sie sich für die Atmung. So reduzieren Sie  nachhaltig das Stressniveau.

 

 

Vielleicht haben Sie bereits selbst solch einen Moment erlebt, in dem Sie spürten, wie die Erregung im ganzen Körper zugenommen hat, wie Sie den berüchtigten "Tunnelblick" bekommen haben, wie das Herz schlägt schneller schlug, die Gedanken sich beschleunigten oder sich sogar überschlagen.

 

Die Stresshormone wirbeln aufgeregt im ganzen Körper umher, extreme Fokussierung - Geräusche oder Gesagtes im Aussen ist oft nur noch von weit, weit weg zu hören. Das sind die Momente, in denen das Gehirn vollkommen blockieren kann - und während Prüfungen bedeutet das, der Abruf des Gelernten ist nur noch zum Teil oder schlimmer, gar nicht mehr möglich.

 

Hier helfen gezielte und vor solchen Situationen im Unterbewusstsein implementierte Entspannungsübungen. Sind diese vorher geübt und müssen schnell abrufbar sein. Das ist das in solchen Momenten äusserst hilfreich.

 

Tief durchatmen und Zeit geben

 

Auch ohne geübte Entspannungstechnik ist es wichtig, sich in solchen Situationen einige Minuten Zeit zu geben, tief durchzuatmen und dem Körper Zeit zu lassen, die angestauten Stresshormone zumindest einigermassen in den Griff zu bekommen. 

 

Wichtig zu wissen ist allerdings: Stresshormone lassen sich nur durch Bewegung komplett aus dem Körper jagen. 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: Ausbildung Dr. Rick Hanson, Neuropsychologe und Gründer des "Wellspring Institut for Neurosience und kontemplative Wisdom" / USA.

 

Jeannette Akermann ist zertifiziert und ausgebildet in der von Dr. Hanson angewandten Technik der positiven erfahrungsbasierten Neuroplastizität.